Mehr zu Kardiologie
Herz und Kreislauf versorgen jedes Organ mit Sauerstoff. Fällt diese Leistung ab, zeigt sich das lange nicht am Herzen selbst, sondern an Husten, schnellerer Atmung oder daran, dass ein Tier auf Spaziergängen früher stehen bleibt. In der Kardiologie klären wir, ob dahinter eine Herzerkrankung steckt, wie weit sie fortgeschritten ist und was sie bräuchte.
Wann eine Herzuntersuchung sinnvoll ist
Herzerkrankungen entwickeln sich meist schleichend. Je früher sie erfasst sind, desto besser lässt sich der Verlauf beeinflussen. Typische Anlässe:
- bei Husten, besonders nachts oder nach dem Aufstehen, um Herz und Atemwege sicher voneinander abzugrenzen.
- bei Atemnot und erhöhter Atemfrequenz in Ruhe, als ernstzunehmendes Zeichen einer Stauung im Lungenkreislauf.
- bei nachlassender Belastbarkeit, wenn ein Tier kürzere Wege geht, langsamer wird oder häufiger Pausen braucht.
- bei Ohnmachtsanfällen und Schwächeepisoden, die auf Rhythmusstörungen oder eine unzureichende Auswurfleistung hindeuten.
- bei einem auffälligen Herzgeräusch, das beim Abhören gefunden wurde und eingeordnet werden muss.
- vor größeren Eingriffen und Narkosen, um das Narkoserisiko realistisch einzuschätzen und die Führung anzupassen.
- bei rassebedingter Veranlagung, als Vorsorgeuntersuchung, bevor überhaupt Beschwerden auftreten.
- zur zuchthygienischen Untersuchung, wenn für die Zuchtzulassung ein Herzbefund verlangt wird.
Unsere Untersuchungen
Ein Herzbefund entsteht nicht aus einem einzelnen Wert, sondern aus dem Zusammenspiel mehrerer Verfahren.
- Klinische Untersuchung des Herz-Kreislauf-Systems: Abhören, Pulsqualität, Schleimhautfarbe und Atemmuster geben die erste Einordnung.
- Herzultraschall (Echokardiographie): zeigt Herzkammern, Klappen und Wanddicken im bewegten Bild und ist das zentrale Verfahren der Kardiologie.
- Farbdoppler-Untersuchung: macht den Blutfluss sichtbar und misst, wie stark eine undichte Klappe tatsächlich belastet.
- Elektrokardiographie (EKG): erfasst Rhythmusstörungen und Reizleitungsprobleme, die im Ultraschallbild nicht auffallen.
- Röntgendiagnostik des Brustkorbs: beurteilt Herzgröße und Lunge und zeigt eine beginnende Stauung.
- Blutdruckmessung: deckt Bluthochdruck auf, der bei Katzen häufig mit Nieren- oder Schilddrüsenerkrankungen einhergeht.
- Labordiagnostik: ergänzt das Bild um Herzmarker, Nieren- und Schilddrüsenwerte, die Therapie und Prognose mitbestimmen.
- Zuchthygienische Herzuntersuchung: nach den Vorgaben des jeweiligen Zuchtverbands, mit Befund und Bescheinigung.
Häufige Befunde
Bei Hunden steht die Erkrankung der Mitralklappe im Vordergrund: Die Klappe schließt nicht mehr dicht, ein Teil des Blutes fließt zurück, das Herz vergrößert sich über Jahre. Bei größeren Rassen kommt die erweiterte Herzmuskelerkrankung hinzu, bei Katzen die Verdickung der Herzmuskulatur, die oft ohne jedes Vorzeichen bleibt, bis eine akute Verschlechterung eintritt.
Behandlung und Verlauf
Herzerkrankungen lassen sich in der Regel nicht heilen, aber wirksam behandeln. Medikamente entlasten das Herz, verzögern das Fortschreiten und halten die Belastbarkeit über lange Zeit stabil. Entscheidend sind die richtige Einstellung und regelmäßige Kontrollen: Herzultraschall und Blutwerte zeigen, ob die Therapie noch passt oder nachjustiert werden muss.
Eine hilfreiche Beobachtung für zu Hause ist die Atemfrequenz im Schlaf. Steigt sie über Tage an, ist das oft das erste Zeichen einer Verschlechterung, noch bevor Husten oder Atemnot auftreten.
Die Kardiologie ist bei uns Teil der Inneren Medizin und arbeitet eng mit der Chirurgie zusammen, wenn ein Herzbefund die Narkoseplanung beeinflusst. Wie engmaschig kontrolliert wird, besprechen die behandelnden Tierärztinnen und Tierärzte mit Ihnen anhand des Befunds.
















