Mehr zu Zahnheilkunde
Die Zahnheilkunde befasst sich mit Zähnen, Zahnhalteapparat und Kiefer. Erkrankungen in der Mundhöhle gehören bei Hunden, Katzen und Heimtieren zu den häufigsten Befunden überhaupt und bleiben oft lange unbemerkt: Tiere fressen weiter, auch wenn jeder Bissen schmerzt. In unserer Tagesklinik untersuchen, röntgen und behandeln wir das Gebiss unter Narkose.
Wann eine zahnärztliche Untersuchung sinnvoll ist
Vieles am Gebiss lässt sich am wachen Tier nicht beurteilen, gerade die Zahnwurzeln und der Bereich unterhalb des Zahnfleischsaums. Typische Anlässe für eine Untersuchung:
- bei Mundgeruch, weil er in aller Regel kein Pflegethema ist, sondern auf bakterielle Zersetzung bei Zahnfleisch- oder Zahnbetterkrankungen hinweist.
- bei sichtbarem Zahnstein und gerötetem Zahnfleisch, um den Zahnhalteapparat zu beurteilen, bevor sich Zähne lockern.
- bei verändertem Fressverhalten, etwa einseitigem Kauen, Fallenlassen von Futter oder plötzlicher Bevorzugung von Weichfutter.
- bei Speicheln, Maulschlagen oder Pfoten am Maul, als deutliche Schmerzzeichen, die Katzen besonders spät zeigen.
- bei Schwellungen an Kiefer oder unter dem Auge, weil dahinter häufig ein Abszess einer entzündeten Zahnwurzel steckt.
- bei abgebrochenen Zähnen, um zu klären, ob die Pulpa eröffnet ist und der Zahn erhalten werden kann.
- bei Zahnfehlstellungen im Wachstum, solange sich eine Fehlentwicklung des Gebisses noch beeinflussen lässt.
- bei Heimtieren mit Gewichtsverlust, weil Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchillas lebenslang nachwachsende Zähne haben und Fehlwachstum die Futteraufnahme schnell blockiert.
Unser Behandlungsspektrum
Was am Ende gemacht wird, entscheidet sich nach der Untersuchung in Narkose und dem Zahnröntgen. Erst dann ist sichtbar, welche Zähne erhalten werden können und welche nicht.
Zähne und Zahnhalteapparat
Der größte Teil der Arbeit betrifft die Zähne selbst und das Gewebe, das sie hält.
- Untersuchung und Zahnröntgen in Narkose: beurteilt jeden Zahn einzeln, misst die Zahnfleischtaschen und macht Wurzeln, Knochenabbau und versteckte Läsionen sichtbar.
- Professionelle Zahnreinigung: entfernt Zahnstein und Belag oberhalb und unterhalb des Zahnfleischrandes und stoppt den entzündlichen Reiz auf den Zahnhalteapparat.
- Behandlung von Parodontitis und Zahnfleischentzündungen: saniert erkrankte Zahnfleischtaschen und erhält Zähne, solange der Knochen es hergibt.
- Wurzelfüllung (Endodontie): erhält einen Zahn mit eröffneter oder entzündeter Pulpa, statt ihn zu ziehen, was bei Fang- und Reißzähnen den Unterschied macht.
- Restauration der Zahnkrone: versorgt abgebrochene oder abgenutzte Kronen und stellt die Kaufläche wieder her.
- Kariestherapie: behandelt kariöse Defekte, die vor allem bei Hunden an den Backenzähnen auftreten.
- Zahnextraktion: entfernt Zähne, die nicht mehr zu erhalten sind, einschließlich der chirurgischen Entfernung verlagerter oder frakturierter Wurzeln.
- Behandlung von Zahnhalsläsionen (FORL): ein bei Katzen sehr häufiges, schmerzhaftes Auflösen der Zahnsubstanz, das sich nur im Röntgenbild sicher erfassen lässt.
Kieferchirurgie und Kieferorthopädie
Reicht das Problem über den einzelnen Zahn hinaus, wird daraus ein chirurgischer Eingriff.
- Osteosynthese von Kieferbrüchen: stabilisiert den gebrochenen Kiefer so, dass Bisslage und Kaufunktion erhalten bleiben.
- Tumorentfernung in der Mundhöhle: auch mittels Laserchirurgie, bei ausgedehnten Befunden als Kieferteilresektion.
- Operationen an den Speicheldrüsen: bei Zysten, Entzündungen oder Verlegung der Ausführungsgänge.
- Kieferorthopädische Korrektur: richtet Fehlstellungen mit Platten, Brackets, Bögen oder Dehnschrauben, wenn eine Fehlentwicklung Schmerzen verursacht oder das Gebiss schädigt.
Zahnerkrankungen bei Heimtieren
Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchillas haben Zähne, die lebenslang nachwachsen und sich nur durch richtiges Kauen abnutzen. Stimmt die Fütterung nicht oder liegt eine Fehlstellung vor, entstehen Zahnspitzen, Zahnfachentzündungen und Abszesse. Wir behandeln Zahnfehlwachstum und Malokklusion und klären dabei mit, welcher Anteil davon über die Ernährung beeinflussbar ist.
Zuchthygienische Untersuchungen
Für die Zuchttauglichkeit untersuchen und beurteilen wir das Gebiss und stellen die entsprechenden Bescheinigungen und Gutachten aus.
Warum Zahnbehandlungen in Narkose stattfinden
Eine vollständige Untersuchung des Gebisses, das Sondieren der Zahnfleischtaschen, das Zahnröntgen und jede Behandlung sind am wachen Tier nicht möglich, weder schmerzfrei noch gründlich. Die Narkose ist deshalb kein Zusatz, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Befund vollständig erhoben und in derselben Sitzung behandelt werden kann.
Zahnerkrankungen bleiben selten auf das Maul beschränkt: Chronische Entzündungen im Zahnbett belasten den Organismus dauerhaft, und Umfangsvermehrungen in der Mundhöhle gehören zu den Befunden, die schnell abgeklärt werden sollten. Die Zahnheilkunde ist bei uns deshalb eng mit Chirurgie, Onkologie und Innerer Medizin verzahnt. Was im Einzelfall sinnvoll ist, besprechen die behandelnden Tierärztinnen und Tierärzte mit Ihnen anhand des Befunds.














